Pupuze Berber

Sexliteratur aus der Sandkiste

Als ich anfing, einen Roman zu schreiben, worin sexuelle Handlungen explizit beschrieben werden sollten, merkte ich, wie befangen ich dabei war. Da saß ich dann mit Kuli und Kladde auf der Treppe vor der Musikschule mit Blick auf den Kinderspielplatz – und versuchte zu beschreiben, wie sich meine Heldin durch die Türkei vögelte. Es blieb meistens beim Versuch. Ich war nicht in der Lage, auch nur das Wort „Schwanz“ zu schreiben, ohne Herzrasen oder feuchte Hände zu bekommen.

Woran lag das bloß? War womöglich meine Herkunft schuld daran, die Türkei, die türkische Kultur, die mich prägte und daran hinderte, über die schönste Nebensache der Welt zu schreiben? Nun, das Buch konnte ich nach einigen Anläufen doch noch beenden, aber die Frage, ob und wie die kulturellen Unterschiede mein Schreiben beeinflusst hatten, beschäftigt mich weiterhin.

Ist die Sexualität in der Kultur meiner Herkunft ein Tabu, worüber man nicht spricht? Hatte ich deswegen Hemmungen und war prüde? Nun ja, wenn ich überlege, dass meine Eltern den Fernsehkanal wechselten, sobald sich zwei Leute küssten, oder mein Großvater uns Kindern weismachen wollte, dass dort der Mann die Zähne der Frau kontrollierte, also eine Art Zahnarzt sei, dann ist eine gewisse Tabuisierung durchaus vorhanden.

Auf der anderen Seite ist die Sexualität allgegenwärtig in Schimpfwörtern, in Form des verbalen Abreagierens, wenn Menschen aufeinander sauer sind. Dann wird auf Türkisch schnell „gefickt“, wo auf Deutsch ein schlichtes „Mist“ oder „Scheiße“ ausreicht. In meiner Herkunftskultur gibt man sich mit den schlichten Fäkalien nicht ab, nein, da geht es rustikaler zu.

Und falls der Eindruck erweckt wird, dies wäre ein bevorzugter Radaustil der Männer, muss ich korrigieren: Frauen benutzen ihn ebenfalls in verschiedenen Variationen. Meine Mutter denkt sich jemanden aus, der es dem Beschimpften besorgen soll, und wenn sie „Arap“ sagt – damit meint sie einen Schwarzhäutigen – ist ihre Wut besonders groß. Die verstorbene Oma hingegen übernahm den Akt der sexuellen Sanktionierung lieber selber. Dann knüpfte sie sich die ganze Sippschaft des Gemaßregelten vor, als sei sie in Fahrt gebracht worden und könne nicht bremsen – wie ein LKW mit geplatztem Reifen.

Es war schon sehr merkwürdig, in einem Umfeld aufzuwachsen, wo bei einer harmlosen Kussszene im Fernsehen eilig umschaltet wurde, im selben Atemzug man sich jedoch verbal fickend über die Sippschaft hermachte.

Nun, das seien eben einfache Menschen, Unterschicht, anatolische Bauern, bekam ich von Freunden zu hören, das ist doch keine Kultur! Ich müsste mich mehr in der Literatur umschauen. Wie offen oder nicht offen wird dort die Sexualität behandelt?

Also begann ich zu recherchieren. Weil ich in Deutschland aufgewachsen bin und mich mit der türkischen Literatur kaum auskenne, fragte ich den Mann meiner Schwester, der als Lehrer in Istanbul arbeitet. Er nannte mir ein paar Romane, worin ich Sexbeschreibungen finden konnte. Darunter „Turbane in Venedig“ von Nedim Gürsel, ein in Paris lebender türkischer Autor. Glücklicherweise hatte ich dieses Buch sogar auf Deutsch vorliegen.

„Unter dem Wintermantel gleitet seine rechte Hand zu Lucias Beinen. Etwas weiter oben, direkt unter dem weggerutschten Rock, fand er das kleine, haarige Biest, ein Felltierchen.“ Da in meiner Herkunftskultur Haare am Körper unerwünscht sind, insbesondere bei den Geschlechtsteilen, fühlte sich Kamil, der Protagonist im Roman, wohl angeekelt? Oder warum nennt er die Vagina ein Biest? „Er zog seine Hand sofort weg“, lese ich weiter, „als ob er sich verbrannt hätte“. Eindeutig traumatische Zustände wie bei mir, denn wie kann man sich an einem feuchten Ort verbrennen?

Lucia gefällt das nicht. Sie schiebt seine Hand zum „Biest“ zurück und lässt sie weiterreiben, bis sie „nahe dran war zu schreien. Im gleichen Moment spürte er etwas Warmes, Schleimiges an seinen Fingern.“ Ist das ein Beweis, dass der türkische Mann nichts von der Frau versteht? Zumindest deckt sich das mit dem Wegzappen der Kussszenen. Eben ein notwendiges Übel. Man muss darüber schreiben, zumindest wenn man in Paris lebt, in der Stadt der Liebe, muss sich der Autor dabei gedacht haben. Und da war die behaarte Muschi ein Biest. An späterer Stelle, als Kamil mit einer Nutte im Taxi nach Hause fährt, heißt es: „Eine Hand streichelte seinen Penis unter der Hose, er war also nicht allein. Er legte auch seine Hand zwischen den Schenkeln der Frau und fand das Tierchen.“ Die Frauen wechseln, das Tierchen bleibt.

Ich legte dieses Buch etwas verärgert zur Seite. Aber ein Autor macht noch keine Kultur. Die modernen türkischen Autoren schreiben über Sex immer in Kombination mit Liebe oder als Frucht der Liebe, das kannte ich bereits. Die Handlung wird oft umschrieben oder findet eine schnelle Erwähnung, ohne dass eine akkurate Beschreibung für notwendig erachtet wird.

In „Ince Memed“ lässt der größte Romancier Yasar Kemal den Leser im Dunkeln, wie Hatce von ihrer großen Liebe im Wald entjungfert wird. „Er fasst sie an den Handgelenken und zieht sie zum Felsen hin. Als sie zu sich kommt, ist Hatce eine Frau.“ In Ahmet Hamdi Tanpinars „Huzur“ geht Mümtaz mit der verheirateten Nuran eine heimliche Beziehung ein. Sie treffen sich zum Sex, aber auch hier lässt uns der Autor im Dunkeln, wie sie es treiben, als wäre das eine sehr private Angelegenheit der beiden.

Weiter zurück in der Literaturgeschichte begegne ich dem 1931 verstorbenen Mehmet Rauf. Der Autor, der mit „Eylül“ den ersten psychologischen Roman der Türkei geschrieben hatte, saß wegen eines dünnes Heftchens von 60 Seiten acht Monate im Gefängnis und wurde dabei seine gesellschaftliche Ehre los. In „Die Geschichte der Lilie“ beschreibt er pornografisch exakt den Akt sowohl zwischen Mann und Frau als auch zwischen zwei Frauen. Das Buch hat keine andere Handlung als die des Sexes; weder eine große Liebe, noch ein umständliches Anwerben drum herum. Im Gegensatz zu „Biest-Felltierchen-Kamil“ ist sein Protagonist gerade entzückt von der Genitalbehaarung seiner Gespielinnen.

Es machte mir Spaß, den Roman zu lesen, denn dieser Mann versteht die Frauen. Bevor er in seine 15-jährige Angebetete Zambak (Lilie) eindringt, bringt er sie tagelang mit Zunge und Hand zum Höhepunkt, um ihr Begehren für ihn zu steigern. Später genießt er als Voyeur aus seinem Versteck heraus die intimen Handlungen seiner zarten Lilie mit einer bekannten Lesbierin. Und als Höhepunkt, sowohl des Buches als auch für ihn, tritt er aus seinem Wandschrank hervor und verkehrt mit der Lesbierin – unter anderem anal.

Es gab und gibt also in meiner Herkunftskultur die pornografischen Texte, vermutlich wie in jeder anderen Kultur auch. Bei den alten Osmanen gab es die „Behnames“, spezielle Sexratgeber wie die Kama Sutra. An einer Stelle darin heißt es: „Im Sommer zu Frauen, im Winter zu jungen Männern.“ Dem Mann wurde Bisexualität empfohlen. Die Volkslieder sind noch heute voll von „wippenden Brüsten“ und anderen Anzüglichkeiten. Und MILF ist keine neue Modeerscheinung: „Was soll ich mit dir, schick mir lieber deine schöne Mutter“, schmachtet in einem Lied der Geliebte eines Mädchens.

Wie weit war nun diese Kultur an meinem Schreibhemmnis schuld? Oder lag es eher an den Kinderspielplätzen, wo ich die Geschichte schrieb? Oder war es eine Kombination aus beiden? Übertrug sich das Wegzappen der Kussszenen auf mich als Mutter? Spielte im Hintergrund das schlechte Gewissen aus dieser Zeit eine Rolle? War es so, dass ich mich schämte, im Beisein meiner Tochter über Sex zu schreiben? Etwa so wie meine Eltern sich geniert haben müssen, mit uns Kindern diese Szenen anzuschauen?

Wie auch immer. Die Antwort werde ich vermutlich nie herausfinden. Das Problem hatte ich sowieso gelöst: Ich schrieb die heißen Stellen einfach auf Türkisch. Denn in dieser Sprache lag mir, dank der alltäglichen Schimpfrituale, das reichhaltige Vokabular vom Ficken, Vögeln und Bumsen auf der Zunge.

Ohne Titel

Reit mich zu ‘nem Traum
Lass mich an Tischen spielen
Lass mich sehen, ob Glück nah ist
Oder entfernt wie Planeten
In der anderen Welt, halt mich fest
Wenn sich alles dreht

2)

Weiter steh‘n
Dich nackt an der Scheibe sehen
Weiter dreh‘n
Dein Licht in Illusionen brechen
Weiter geh‘n
Dir entrückt den Rücken kehren

3)

Ein blasses
Karussellpferd
Galoppiert
Und hinterlässt
Einen Brandherd
Das Kind drauf
Sieht nicht
Wen es
Mitnimmt

Es ist blind

4)

D o l l a r    s o l l    w e i ß e r    s e i n    a l s

K u h m i l c h

K u m m e r    k a n n    b u n t e r    s e i n    a l s

S m a r t i e s

P o r t e m o n n a i e   i s t   l e e r

N i r g e n d s   B e g e h r e n   m e h r

I c h   p u t z   d a n n   m e i n   G e w e h r

5)

Neonröhren flimmern
Hübsche Mädchen sirren
Nein, Nein! Es darf nicht sein!
Keine Zeit sich zu verlieben
Es ist noch Geld auszugeben
Oh ja! lass es uns zerstreuen!

6)

Wenn mich der Wahnsinn so beflügelt
Steig ich hoch und höher in die Atmosphäre
Wenn sich die Stadt in den Sand weit ausstreckt
Wie achtlos hingestreute Reißzwecke
Dann klaue ich der Nacht einen Strauß Sterne
Und schenke sie dir, meiner Zuckerschnute

7)

Sing laut ein Vaterunser
Vergiss nicht unsere Sache
Dein Reich ich so verlockend fand
Ich braucht‘ nur ein wenig Glück
Hoffnung mit Bang
Mal schwarz mal rot
Die Kugel ihre Runden dreht
Es geht nichts mehr, ich bete
Mein Wille geschehe

8)

Hey falscher Mann
Ich fand dich
In der Wüste Nevada
Du glaubst mir nicht
Allein weil ich sage
Auf Reißbrett entwickelt ist dein Heim
Virulent grell ist dein Schein
Wenn ich nicht aufpasse
Bist du mein Verderben

9)

Etwas weniger Wirklichkeit
Etwas mehr Regung, hier
Das ständige Ausweichen
Hat uns krumm gemacht, Schätzchen
Ein wenig Lust mehr
Ein paar Tränen weniger
Etwas mehr Kapitulation,
Etwas weniger Bemühen
Lass steigen aufrecht in die Hölle
Die Stufen

10)

Ja, Ich will
Ja, Ich will

11)

Hier singen Gott-Gläubiger, Betende
Der beseelte Prediger, euer Mahnender
Strahlend lacht der Clown, aller Drohender
Kehrt zurück zum Heiland, ihr Hoffenden

12)

Willst du mit mir in die Schlacht ziehen?
In dieser Nacht
Willst du mit mir dich innigst amüsieren?
In dieser Stadt
Glitter, Glitzer, Flitter, Booster, Toaster
So schön bist du Crystal Meth

13)

Ich war ein Stein und du aus Plastik
Lagen im Garten ohne Hektik
Ich war grau, du bunt quietschig
Wurden heiß und auch mal frostig
Ich bin ein Stein und werde verstauben                     
Dich hingegen wird’s ewig geben
Ganz ohne Leben

Epilog:

Etwas mit Spaß
Oder was ist sonst Las Vegas
Eine Stadt
Verrucht, verteufelt, geliebt, belebt
Und mehr noch
Schauplatz
Projektionsfläche, Träume
Der unbegrenzten Möglichkeiten
Des Protzes, der Macht, des Größenwahns
Eine Flucht
In die exzessiv zerstörerische Schönheit
Party, Spaß, Glitzer
Ein Oben
Größer, schneller, höher, besser und vor allem
Billiger
Ein Unten
Im Schatten dort weilen die Verlierer
Abfallprodukte
Ausgeschieden von der Vergnügungsmaschinerie
Gewaltbereit, kriminell, drogensüchtig
Die Ausgerutschten oder besser noch Ausgelutschten
Leben sie zu Hunderten in den Tunnels des Kanalsystems
Obdachlos
Omnipräsent in dem hektischen Glamour der Glitzerwelt
Ich sah ekstatischen Partyspaß
Ultimative Gigantomanie mit
Atemberaubendem Blick auf die nächtliche Stadt
Und auch Familien
Die zu Weihnachten ihren Kindern Schießübungen auf einer Shooting Farm schenkten
In Gegenden gewesen, die zu den gefährlichsten der USA zählen
Menschen gesehen, die alles verloren, in Las Vegas
Bizarre Eindrücke
Abstrakte Bilder eingefangen in Stimmungen der Faszination
Und doch blieb am Ende
Ein Gefühl der Leere

 

Ein Dichter-Gedicht

Ein Dichter-Gedicht

Ein Dichter lebt nicht lange
Denn er schreibt uns seinen Kummer
Vom Regen im September
Vom Duft der Äpfel im Winter
Und ist dann da der Sommer
Soll man denken, er ist ganz froh
Doch dann plagen ihn insbesondere
Im Park nackt die heißen Nächte
Auf der Suche nach Abenteuer
Nun, was sage ich, es ist Sommer
Und Hormone hat auch ein Dichter

Ein Dichter kann nicht leben lang
Denn er ist besaitet ganz zart
Schreibt nieder alles was er find
Und wenn auch er in sich nichts fühlt
So schachert er in fremden Gärten und wühlt
Zerstückelt und hackt es klein
So Leute denken es ist sein
Und er sich badet im falschen Schein
Oh Sommer du schön, du mein
Sollst nicht leben lang, nur fein

Ein Dichter soll nicht leben lang
Es wird einem heiß und ganz bang
Immer diese Sorgen um ihn
Liebt er einen liebt er keinen
Alles Lüge oder nur Trugschluss
Irgendwann kommt der Entschluss
Der Sommer ist kein heißer Frust
Auch wenn feucht ist Hand und Fuß
Der Regen uns abkühlt im September
Und der Apfel dichtet im Winter
Der Sommer war ein heißer Genuss

Ein Dichter darf leben, nur lange nicht
Diese Grille, die zirpt und singt
Ein Geschwafel sinnlos nur bezirzt
Sich für unersetzlich gar unsterblich hielt
Wo ist der Knopf, um ihn auszuschalten
Die Nachrichten im Radio einzuschalten
Hör zu, die Welt geht heute unter
Halt die Klappe du dummer Dichter
Wenn Du nicht schweigst in meinem Kopf
Dann werde ich dich töten, sofort

So klagt die Hure mir ihr Leid
Streift glatt ihr weißes Kleid
Sie muss es wissen, auch wenn nicht weise
So hat sie Erfahrung, hat ihre Kreise
Leert ihr Glas, zieht ihre Lippen rot
Sagt, Kind wenn es Dir im Schritt mal juckt
Dann nimm keinen Dichter und nie ein Philosoph
Ein Bauarbeiter, der tut’s besser noch

Der Sex hat der Liebe zu dienen

Der Sex hat der Liebe zu dienen!

 

Die Signale pulsieren, die Ganglien sind kurz vorm Verglühen, der Prozessor überhitzt, das Schaltzentrum droht die Kontrolle zu verlieren. Gleich, gleich wird die Macht ausgeschaltet und ich werde über die Mauer springen, um einen Blick hinüber zu werfen. Möglicherweise erleben wir die unendliche Sekunde, in der das Wasser die Zeit nicht hat, um aus dem umgekippten Glas hinauszuströmen, wir allerdings genügend Zeit haben, um in aller Muße die Gärten der Ewigkeit zu durchstreifen. Und wer weiß, vielleicht gelingt es mir sogar, dir einen Apfel zu pflücken.

Nein, wir haben nicht geflirtet. Wer tut das noch heute? Wer gibt sich mit „Ausgang ungewiss“ zufrieden? Warum soll man sich dem ausufernden Gespinst des Zufalls ausliefern? Niemand ist allein. Es gibt viele Möglichkeiten, unendlich viele sogar. Man wird die Passenden suchen und finden, die Gleichgesinnten werden zueinander stoßen, um einander mit besonderen Auftritten, Kunststücken und Kostümierungen zu bereichern. So gebären Möglichkeiten Ideen. Und die Möglichkeit wird zur berechenbaren Wahrscheinlichkeit. Ist nicht jede Idee wahrscheinlich, wenn doch alles berechenbar ist? Ich mache jedenfalls mit und schlucke eine Kobra, nur um sie wieder lebendig auszuspeien.

Die Zunge lenkt meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie hilft mir unterzutauchen, ganz tief unter meine Haut zu rutschen und zu dem Punkt zu gleiten, von dem die Signale ausgehen. Meine ganze Wahrnehmung ist darauf konzentriert, ich folge den Wellen, die ich in unterschiedlichen Arealen empfange und modelliere. Der Körper aus Fleisch und Blut hat sich aufgelöst; geblieben ist ein Zentrum, aus dem die Signalbahnen laufen. Es ist wie eine dieser Landschaftsnach-bildungen, die in manchen Heimatmuseen zu sehen sind und auf denen einzelne kleine Glühbirnen Orte darstellen. Und drückt man auf den entsprechenden Knopf, brennt irgendwo auf der Nachbildung eine kleine farbige Glühbirne und man weiß nun genau, wo sich dieser befindet. Ich bin deine Bergkette, mit Höhen und Tiefen.

Der Rauch der Zigarette schlängelt sich über unseren Köpfen und verdünnt sich gräulich in die Dunkelheit. Gott schuf also den Menschen nach seinem Ebenbild? Nur hat er mir die Unsterblichkeit vorenthalten. In mir ist der Tod gesät und wächst mit jedem Tag. Ich bin in Zeiten gesplittert. Es gibt mich jetzt, gab mich vorhin, es gab mich gestern, vorgestern, letzte Woche, letztes Jahr und viele Jahre davor. Und morgen gibt es mich, möglicherweise noch, mit abnehmender Wahrscheinlichkeit in ferner Zukunft, denn Cookies haben eine begrenzte Lebensdauer. Bin ich nur die Summe meiner Zeiten? Wo bleiben all die unausgesprochenen Wünsche, Ängste, Ahnungen, Trauer und Freude? Und wo das Verborgene, das selbst ich noch nicht kenne? Vielleicht schwimme ich nur, weil ich die Berge nicht habe?

Auf dem kleinen Balkon haben wir der kranken Taube einen Verschlag gebaut. Einer Taube! Wer rettet heute noch das Leben einer gewöhnlichen Ringeltaube, dieser Ratte der Lüfte? Bugs pflegt man nicht, man beseitigt sie! Es gab viel Kopfschütteln. Wir brachten sie trotzdem bei uns unter. Auf dem Balkon unserer Einzimmerwohnung in diesem kastenförmigen Hochhaus aus Beton. Unser Essen teilten wir mit ihr und betteten sie in einem alten Wollpullover. Sechs Tage lang waren wir glücklich. Sie gurrte uns etwas vor, das wir nicht verstanden haben, trotzdem waren wir verzückt. Nur den Apfel hätte sie vielleicht nicht bekommen sollen.

Wir küssen, zärtlich, nicht forsch, im Einklang miteinander. In all meinen Vorstellungen hätte ich mir das nicht ausmalen können. Überhaupt kann ich mir das Küssen nicht vorstellen; ich könnte es auch nie beschreiben. Den Akt hingegen schon. Er ist zielgerichtet, hat eine Agenda, schlägt mit harten Beats um sich, wackelt, schaukelt, donnert, immer und immer wieder. Er ist die stupide Wiederholung der Wiederholung und doch nie langweilig. Dagegen sind Küsse flüchtig, sie entstehen ganz von allein und in dem Moment, jeder Kuss ist anders, unbeschreiblich, unvorhersehbar. Der Kuss ist eine spontane Handlung, eine Performancekunst. Den Akt kann man lernen, das Küssen nicht. Der Kuss kann allerdings unangenehm sein, wenn eine fremde Zunge wie ein Dolch im Mundraum herumstochert, oder ein Mund verschlossen bleibt, Lippen wie kleine Saugnäpfe das Gesicht befeuchten und das Verlangen löschen. Er kann sogar regelrecht öde sein. Wenn er aber gelingt, so wie jetzt bei uns, dann herrscht ein verträglicher Gleichklang im Mund, eine Art Tanz, in dem Lutschen, Lecken und Saugen ineinander übergehen. Der Kuss steht für sich und braucht kein Weiter, kein Mehr. Er verspricht nichts, ist sich selbst genug und wächst doch über sich selbst hinaus, füllt und leert sich, schließt und öffnet sich. Auf und zu. An und aus.

-Vertont für die Ausstellung “Die Stadt als Datenfeld” in Graz

Die Schweinemilch

Die ersten Gastarbeiter aus Italien waren gezwungen, Olivenöl in Apotheken zu kaufen. Der Apotheker gab ihnen den Hinweis, sie mögen es in geringen Maßen zu sich nehmen, denn das Olivenöl sei ein Arzneimittel und würde sonst zu Magen-Darm-Verstimmungen führen. Der Italiener war in der Tat verstimmt: über den zu zahlenden Preis. So suchten sie nach anderen Möglichkeiten, denn die deutsche Küche war für sie keine Alternative. Sie eröffneten Läden für südländische Lebensmittel, Pizzerien und Restaurants. Diese Aktion der Selbsthilfe übernahmen alle Gastarbeiter, egal ob aus Griechenland, Ex-Jugoslawien oder der Türkei.

Diese kleinen Läden waren in erste Linie für Gastarbeiter gedacht. Doch hin und wieder verliefen sich darin auch deutsche Bürger. Und da erzählte ein türkischer Ladenbesitzer, wie ein deutscher Kunde eine Zucchini gekauft und sie am nächsten Tag zurückgebracht hätte, mit der Bemerkung, „die Gurke wäre zu hart.“ „Das keine Gurke, das Zucchini, du vorher kochen und dann essen.“ So ungefähr musste der Ladenbesitzer diesen Sachverhalt seinem Kunden erklärt haben. Das stand nicht im Zeitungsartikel, aus dem ich gerade berichte, aber da die erste Generation in der Grundform gesprochen hat, so wie meine Eltern, Gott habe die beiden selig, stelle ich mir beim Lesen des Artikels den schnurbärtigen Verkäufer entsprechend redend. Und Schnurbart gehörte zum Türken wie der Knoblauch und der Kümmel, daher auch das etablierte Schimpfwort „Kümmeltürke“.

Und dann geht er nach Haues und erzählt mit Stolz seiner Frau Ayse oder Hatice, eine diese alten Namen dürfte die Gute besitzen, wie er den so klugen und gebildeten Deutschen Kundschaft die Zucchini vorgestellt hat. Ayse oder Hatice, (ich habe mich leider nicht entscheiden können, wie sie nun heißen sollte), lacht mit wogendem Busen und wiederholt Alis Worte, so nenne ich den Bärtigen jetzt einfach, als Beispiel für einen Muster-Türken. „nix Kurke, Zucchini, kochen, du musse kochen.“ Und da lacht sie wieder und wenn wir dabei gewesen wären, könnten wir ihren goldenen Zahn blitzen sehen. Goldene Zähne sind aus der Mode gekommen. Man sieht sie nicht mehr in Mündern. Das ist sehr schade, es wird sich zukünftig nicht lohnen, Gräber auszuplündern. 

Aber, zurück zu unserem Thema: Fremde Essgewohnheiten. Nicht nur die deutsche Bevölkerung fremdelte bei den Essgewohnheiten der neuen Arbeitskräfte, auch diese hatten so ihre Sorgen. Den gläubigen Muslimen kam die Frage auf, ob es Schweinemilch gab. Schwein ist in deren Religion haram, und ebenso wäre die Schweinemilch haram. Sie kannten Kuhmilch, Ziegenmilch, Kamelmilch und Schafsmilch, aber da sie keine Schweine kannten, wussten sie nichts über die Schweinemilch.

So weiß ich aus primärer Quelle, dass mein Vater, ein gläubiger Muslim durch und durch, seinen deutschen Kumpel aus der Fabrik danach gefragt hatte. Der hatte als Antwort gelacht und kopfschüttelnd verneint. Nicht, dass er sie nicht trinken würde, bekäme er welche, aber da wäre der Wurf schneller.

Und da kommt mein Vater nach Hause und erzählt meiner Mutter, dass die Ferkel alles trinken, Gott sei Dank!

– Veröffentlich sfd (zeitschrift der schule für dichung wien) & ohne netz

Auf den Spuren von Meister

Auf den Spuren von Meister

 

„Als ich morgens aus dem Haus trat, hatte sich die Welt in beunruhigender Weise verändert“, hätte der Meister sagen sollen; doch er beschleunigte stumm seine Schritte. In der Ferne sah er eine Ansammlung von Menschen. Er beachtete sie nicht, teilte sie mit den Händen entzwei und lief durch sie hindurch. „Was ist da bloß passiert? Sollte ich nicht lieber zurückgehen und fragen?“ Nein, auch wenn er für einen Moment neugierig war, ließ er sich von seinem Vorhaben nicht abbringen. Gerade als er über den Zebrastreifen laufen wollte, hörte er die Kirchglocken. Es war schon merklich dunkler geworden. „Ich kann nicht mehr…“ Er war aus der Puste. Er blieb stehen, stützte sich mit der Hand an einer niedrigen Mauer ab und verlagerte das Gewicht auf seinen rechten Fuß. Er nahm ein Taschentuch und wischte sich übers Gesicht und anschließend auch über seine sich weit ausgebreitete Glatze hinunter bis zum Nacken. Ein leichtes Ziehen machte sich an seinem Hals bemerkbar. Er massierte die Stelle und schaute sich den Himmel an. Die Wolken hingen tief. „Es sieht nach Regen aus.“ Sein Atem hatte sich wieder beruhigt.

Plötzlich ein Klatschen. Von ganz oben musste etwas herunter auf den Bürgerstein gefallen sein. Er drehte den Kopf in die Richtung des Geräusches und sah neben sich einen aufgeplatzten Frosch. Und dann regnete es Frösche –  einer davon hatte ihn am Kopf erwischt. „Autsch!“ Das war sehr schmerzhaft. „Das ist doch wie bei Murakami, was soll ich hier? Kannst du dir etwas Originelleres einfallen lassen?“ Währenddessen prasselten immer mehr kleinere und größere Frösche auf ihn nieder, sodass er sich schnell unter einem Vordach in Sicherheit bringen musste. „Was zum …“ Er war wütend. Jetzt wusste er, warum sich diese Menge versammelt hatte; sie hatten Frösche vom Himmel fallen sehen.

Er hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gebracht, da liefen zwei dicke Kater eingehackt unter einem Schirm an ihm vorbei. Einer von ihnen stammte aus „Van“, denn er hatte zwei unterschiedliche Augenfarben. „Hast du gesehen, was die für einen schönen Hintern hatte? Heute Abend machen wir Party, Digga!“, sagte er ziemlich laut zu seinem rothaarigen Kumpel. Dieser blieb plötzlich stehen. „Wir haben Votan vergessen, verdammte Schleife. Der Glimpfstangen-Verschlinger wird uns in den Mund geigen, Gott verfliegt, der flickt uns, lauf, lauf sag ich! Er ist im Theater und wartet auf uns.“ Er zog den Anderen am Arm und dann liefen beide wieder in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Votan war wohl wichtiger als der Froschregen, denn sie hatten den offenen Schirm einfach neben dem Meister hingeschmissen.

Der Meister hatte es eilig und, um sich vor weiteren Verletzungen zu schützen, nahm er den Schirm. Doch er musste erst die darin gesammelten Frösche ausleeren.

„Störche, jetzt sollten bitte auch Störche kommen, hörst du? Was sollte man aus so vielen Fröschen machen? Es wäre doch sehr schade drum. Eigentlich könnte man die Nicht-Aufgeplatzten sammeln und in diesen teuren Restaurants verkaufen, wo Froschschenkeln eine Delikatesse sind. Das wäre ein gutes Geschäft, oder?“ Auf diese Idee waren wohl auch andere gekommen, denn er sah Menschen mit Zangen und Eimern. Diese hatten an anderen Tagen die Mülleimer nach Pfandflaschen durchwühlt. „Wie gut, dass dieser Irrsinn wenigstens denen zu Gute kommt.“

Der Froschregen hatte so plötzlich aufgehört, wie er gekommen war. Die Dunkelheit war weiter fortgeschritten, sodass sich die Straßenlaternen angeschaltet hatten. In diesem Viertel waren sie nicht sehr dicht aufgestellt, und in manchen waren die Birnen kaputt oder vielleicht auch geklaut.

Der Meister hatte sich verspätet. „Ich bin total kaputt.“ Gleichzeitig merkte er, wie müde er schon war. Aus seiner Brusttasche holte er eine Packung Zigaretten und zündete sich eine an. Den ersten Zug behielt er lange in der Lunge und ließ ihn dann langsam aus der Nase wieder heraus.

„Aus deiner Kindheit, nicht? Die wenigen Erinnerungen aus dieser Zeit? Du warst vernarrt in den Anblick, wie dein Vater und Onkel den Rauch aus der Nase langsam hinausströmen ließen. Ach, hättest du mich doch nur erschaffen wie deinen Vater und nicht wie den dicken Onkel. Dieser Bauch bringt mich noch um, verflixte Motze. Könnte ich doch richtig fluchen, wenigstens das? Warum kann man hier nicht fluchen? Ich frage dich, du verdickte Mikroben-Lotze.“ Der Meister wurde wütend. Er kickte einen toten Frosch in die Ferne. Doch das half nicht weiter. Er ließ die Schulter hängen und fühlte sich beunruhigender Weise leer, hoffnungslos, einsam und allein.

„Wie war denn meine Kindheit? Erzähl doch mal?“, fragte er. „Ich will meine Kindheit wissen. Warum weiß ich nichts darüber? Warum bin ich hier? Wohin werde ich gehen?“

Die Kinder hatten tagsüber mit bunter Kreide auf den Gehweg Figuren gemalt. Er blieb stehen, und in dieser merklich vorangeschrittenen Dunkelheit sahen diese aus wie die Sternformationen am Nachthimmel. Mit seiner Fußspitze schob er die toten Frösche beiseite und befreite so die Kinderbilder. Einfache Strichmännchen-Zeichnungen von Katzen, Prinzessinnen, Autos und Fahrrädern. Er bückte sich und nahm das Stück Kreide, das vom Tag liegen geblieben war. Er wollte auch etwas zeichnen, war sich aber nicht sicher, ob ihm das gelingen würde. Er kniete sich neben einer Prinzessin nieder, einer einfachen, mit Zackenkrone auf dem Haupt, aber irgendwie gefiel sie ihm. Er fing an, neben ihr den schwarzen Asphalt zu bekritzeln, als ein Auto um die Ecke fuhr. Seine Reifen schleuderte einen zerplatzen Frosch auf seinen Bauch. „Bravo, das hast du nun auch getan, du vertrocknete Mohnfratze. Warum gibt es noch das Rad, warum ist das nicht längst aus der Mode, dieses verflixte Rad. Seit der Bronzezeit bewegen wir uns damit fort. Warum fliegen wir nicht direkt? Warum rollen wir weiterhin mit einem Kreis? Aber Frösche regnen lassen, zum Beutel! Lass wenigstens das Fluchen frei! Hier, nimm, nimm alles, ich mache nichts, ich werde nichts sagen, was du mir in den Mund legen willst. Und ich werde auch nirgends hingehen. Ich werde hierbleiben und mich nicht vom Fleck rühren.“ Er hing am Fleck, der vorhin sein weißes Hemd besudelt hatte. Damit seine Hose nicht dreckig wurde entfaltete er sein Taschentuch und setzte sich darauf.

Ohne weiter nachzudenken, zeichnete der Meister einen Kreis neben der Prinzessin. Er hatte Null im Kopf, Nichts und Nichtigkeit, trotzdem zeichnete er um den Kreis herum kleine, runde Blätter. Er hatte neben der Prinzessin ein Gänseblümchen gemalt. „Was soll das? Ich habe einen Bauch und eine Glatze. Was soll bitte ein Gänseblümchen? Das schickt sich nicht für einen Mann in meinem Alter. Ein Auto oder Flugzeug, das hätte ich doch malen können.“ Was war das? Der Bogen im Punkt-Punkt-Strich-Gesicht hatte sich an den Enden nach oben gezogen. „Verblinkte Einsamkeit. Jetzt fühle ich mich gezeichneten Frauen näher. Aber, sie hat mich doch angelächelt. Schau mal, meine Hübsche, ich habe dir ein schönes Blümchen gemalt. Wie heißt du denn? Darf ich dich Gänseblümchen nennen? Mein weißes, flüchtiges Gänseblümchen?“

Niemand antwortete natürlich. Er schmiss die Kreide in die Ecke und zündete sich erneut eine an. Früher, da war das Rauchen ein Statement, nicht wahr? Da wurde auf den Hintern der Packung geschnippt, bis die Stangen wie Orgelpfeifen herauslugten. Da nahm man die Kippe direkt mit den Lippen heraus und zündete sie mit dem Zippo an.

Zebercet? Zebercet, wo bist du? Eine Frauenstimme, ganz in der Nähe. Er schauderte. Wer war das? Was machte sie da? Zum Glück war in der Straße nicht viel los. „Ja, wo sind denn die Leute? Gibt es ein Fußballspiel? Ist vielleicht WM oder EM?“
 Die Frau rief weiter. Zebercet?
Ich verstehe das nicht? Wenn es hier nur uns beide gibt, will ich mal schauen, wer sie ist“. Der Meister stand auf. Er lief Richtung Stimme. Zebercet? Früher gab es Glühwürmchen. In den heißen Sommernächten blinkten sie an und aus. Zebercet? Das Dorf hatte eine Wasserquelle, in deren Becken Wassermelonen zum Kühlen gelegt wurden. Es gab einen Fluß, den man an manchen Stellen von Stein zu Stein überqueren konnte. Zebercet? Es gab den Moment im Frühjahr, wo die Kühe zum ersten Mal nach dem langen Winter hinaus auf die Weide durften und wie sie vor Freude sprangen, hoch, so hoch, Zebercet! Das Herunterfallen von der Schaukel, weißt du noch? Als alle Kinder auf einmal in den Seilen hingen und über den Hang kullerten, wie Streuobst. Das Schreien der Großmutter und ihr Urteil über den Kirschbaum, der daraufhin gefällt werden musste, weil die Schaukel auf seinem Ast gebaut war. Zebercet, als Baby hatte er einen Autounfall. Der Reifen des Autos war geplatzt und der Wagen überschlug sich mehrere Male in die Tiefe, bis er zum Stehen kam. Seine Mutter verlor währenddessen die Stimme, aber ihm war nichts passiert. ´Der böse Blick lastet auf euch, aber die Sterne des Jungen sind stark. Er hat alle vor dem Tod bewahrt`, hatte die weise Frau nach dem Wachsgießen verkündet. Die Mutter wollte ihre Kinder besser schützen. Auf Geheiß der alten Wachsgießerin steckte sie ihre Hand zwischen ihre Beine und strich sie dann über seinen Kopf. Er hatte das gehasst, und seinen späteren Haarausfall damit begründet. Er dachte, dass sein Kopf nach Mumu roch, Zebercet, nach Mama. Und dann, irgendwann in einem anderen Land, hatte ihm seine Mutter neue Gummistiefel gekauft. Natürlich viel zu groß. Er wuchs ja noch rein. Am Kettenkarussell, als seine Lust am Größten war, als er sich drehte, über Land und Fluss, da verlor er einen seiner Stiefel im Main. Er liegt immer noch da.

Er konnte jetzt die Frau sehen. Sie war ungefähr so alt wie er, hielt eine grobe Strickjacke vorne übers Kreuz geschlossen und stand rauchend vor einem alten Holzhaus. Über der Tür stand „Otel“. Er beobachtete, wie sie mit der Hand ein Stückchen Tabak von ihrer Zunge nahm und anschließend den Rauch ausstieß. „Wenn diese Zigaretten nicht wären, wie würden wir unsere Traurigkeit zur Sprache bringen.“ Die Frau konnte ihn weder sehen noch hören. Sie rauchte so lange, bis sie ihre Kippe mit dem Fuß ausdrückte und durch die Tür verschwand. So wie wir.